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Dienstag, 27. März 2012

ArchDaily repost "Celebrating Mies van der Rohe"

Anlässlich des Geburtstags vom Godfather der Schlichtheit LMVDR, freue ich mich eine ausgezeichnete Illustration von Stationen und Meilensteinen seines Lebens posten zu können. Gefunden habe ich diese bei ArchDaily, die wiederum haben sie von der miessociety.

An dieser Stelle sei auch auf die Projektliste auf der Website der nach ihm benannten Stiftung verwiesen:
http://www.miessociety.org/legacy/projects/


Quelle:http://www.archdaily.com/220679/infographic-celebrating-mies-van-der-rohe/

Mittwoch, 30. März 2011

Architekturgeschichte 4.4 /2

ARCHITEKTUR IM ITALIENISCHEN FASCHISMUS
Dozent: Lutz Beckmann

Situation 1930/40
Europa erlebt Umbrüche in Architektur und Kunst, politische Veränderungen (Absetzung der Monarchie, Kommunismus, Spannung des Ost-West-Konflikts), Tendenz zur Diktatur.

Suche nach anderen Bildformen, Hang zur Abstraktion geht zurück, Umkehr zur Bildhaftigkeit.
Diktatorische Systeme neigen zu Bildhaftigkeit und Monumentalität, wohingegen Linke und Liberale abstrakte Ästhetik bevorzugen.

Italien - Konflikt Monarchie versus Kirchenstaat:
Kirche verliert an Macht [siehe heutige geographische Größe des Vatikans], die Monarchie tut es ihr gleich.
Die Emanzipationsbestrebungen des Volkes gegen die bisherige herrschende Klasse werden von den Faschisten, die sich gegen die bei den Italienern ebenfalls beliebten Kommunisten durchzusetzen, aufgefangen. Der Faschismus installierte sich nun als Staatsform.

Exkurs FUTURISMUS
(Thema: wie lassen sich Licht und Bewegung darstellen?)

  • "Dynamismus eines Fußballspielers"
  • Vorstellung "Krieg als Welthygiene" > ideologische Schnittmenge mit Faschismus
  • Energie und ihre Bändigung, Dynamik, Licht, Maschinen
  • Motiv Panik nach anarchistischem Bombenanschlag, 1910
  • "Die Stadt erwacht"
  • "Das Kraftwerk", 1914
  • Skizze Leuchtturm, Sanderia
    Architekt Terr. setzt Skizze 1931-33 zum Heldendenkmal um
    >> Die Umwidmung futuristischer Formen
  • Giorgio de Chirico "Melancholie" / Melancolia
    "pitura metafisica": Darstellung einfacher alltäglicher Gegenstände mit anderen Dingen,
    gegenstandsabbildende Malerei, scharfes Licht, starke Schatten, überreale Portraitierung,
    "großartige Vergangenheit" spürbar (antike Elemente), Zelebrierung des mystischen Moments, Widmung des Überirdischen.
    >> Rätselhaftigkeit. Message: Vor Rätseln stehen, ohne Lösungsansätze zu haben"
  • "Geheimnis und Melancholie einer Straße"
    Nachhsinnend, an Kraft der Vergangenheit erinnernd, Mythos der Stadt.

NOVECENTO
Von Faschismus und Nationalismus geprägte Künstlergruppe ab 1923. Gegründet Margherita Sarfatti, Mussolini Geliebe. Tradition aufgreifende Kunst.

Novocomum, 1927-29, Giuseppe Terragni

  • Wohnbau
  • frei von Ornamenten 
  • jede Etage eigen ausgebildet 
  • Abstrakt aber keine Fensterbänder, erinnert dennoch an leCorbusier
Casa del Fascio, 1932-36, Guiseppe Terragni
  • Hauptquartier der Faschisten, heute Polizeistation
  • Gebäude und eine Spiegelung seiner Selbst in Frontalstellung gegenüber Kirche
  • Grundriss dem Typ Atriumhaus entlehnt 
  • Faschisten nutzen die Moderne, abstrakte Gestalt
  • Dach als fünfte Fassade
  • Kubus in 7 Elemente unterteilt
  • Tiefenstaffelung
  • sehr plastisch
  • reliefartige Muster auf Betonfassade
  • Anwendung von Proportionslinien (siehe Le Corbusier)

Kirche in Mailand, 1923 (Welche und wie heißt der Architekt??)

  • Kreuzförmiger Grundriss
  • Rückbezüge auf römische Architektur
  • Ziegel
Wohn- und Geschäftshaus,1933, Anonym
  • Sockel
  • Bekrönung
  • Palladio
  • Abstrahiert Antik

Stadttor in Mailand, 1935
  • Abstrakte Antike
  • Ornamente plus Kahlheit
Wohn- und Bürohaus in Turin, 1928
  • Fensterbänder und Einzelfenster
  • "Schnelligkeit" durch weite horizontale Gesimse > traditionelle Durchsetzung 
Wohnhaus in Ostia, 1932-34, Libera
  • Runde Gebäudekanten
  • Lochfassade
  • Gebremmste Moderne
  • Analogie Sprungturm
Clubhaus, 1934, Figini &Polini
  • Kopie von Le Corbusiers Vokabular, aber offenbar ohne Bezug zum Modulor, denn
  • Übertrieben dimensioniert (z.B. Stützen im EG)
Italienischer Pavillon, Weltausstellung
  • Kombination von Kuben und Flächen, also abstrakt
Villa Malaparte, Adalberto Libera, Capri
  • Freitreppe auf Gebäuderücken
  • Sonnendach

GEMÄLDE

Portrait vom "Duce", 1938
  • Strahlend
  • kristalin 
  • verherrlichend
  • Gegenständlichkeit plus Abstraktion
"Schwarze Pfeile" 
  • "Aeropitura"
  • Darstellung der Welt an Flugzeugen und Luftgefechten
  • Kampf als Thema
"Luftschlacht", 1940
  • rasender Flug über Dorf / Stadt
  • Bucht / Wasser
  • Flugzeug angeschossen
  • Sicht aus Perspektive des siegenden Piloten
  • kriegsvorbereitende Propaganda > Einstimmung
"Luftportrait Mussolini"
  • Mussolinis Gesicht, sehr markant
  • überlagert von antikem Rom
  • Machtanspruch Mussolinis verdeutlichend

Faschisten und Kirchenstaat kommen zu einer Übereinkunft
> Via della constituzione

Architekturgeschichte 4.4 / 1

Wiederholung Le Corbusier:


  • Luxus der Einfachheit
  • Analogie Dasein Menschheit & Ozeandampfer in Corbusiers ersten größeren Projekten: Permanent in Bewegung, Elemente teils 1:1 aus dem Schiffsbau übernommen > "Das Dampfermotiv" in der Architektur (Kähler)
  • Städtebauliche Projekte in Sao Paolo und Algier, Schubladenhäuser, Schnellstraßen auf Rücken
  • Mensch, Natur, Architektur - erinnert an LMVDR, Architektur gewährt Ausblicke
  • Naturanalogien Baum - Hochhaus, Schneckenförmiges Museum
  • Nach dem Zweiten Weltkrieg weltbekanntester Architekt, beteiligt sich stark beim Wiederaufbau, Monumentale Gebäude in Parklandschaften (Trümmerlandschaften werden zu Parks)
  • Menschen wandeln durch Parklandschaften, Autos fahren auf aufgeständerten Hochstraßen über die Parklandschaften. Wohnen findet ebenfalls aufgeständert statt, während die Natur unter den Häusern hindurchläuft. 
Marseille, Unité d'habitation (="Wohneinheiten")
  • organisiert wie eine kleine Stadt
  • béton brut = roher Beton / Fassade
  • Loggien unterschiedlich koloriert
Chandigarh
Als Reaktion auf die Neuordnung des indischen Staates, findet eine Einteilung des Landes in Provinzen statt. Corbusier bekommt den Auftrag die Hauptstadt der Provinz Punjab, Chandigargh, zu entwerfen.
Die in Viertel eingeteilte neugeschaffene Stadtstruktur ist von Wasserläufen und Parks durchzogen, Corbusiers naturbezogene Leitgedanken für europäische Städte finden hier also Anwendung. Als erstes entstehen die in Sichtbeton / béton brut erscheinenden  Regierungsgebäude. Mit zunehmendem Alter wird für ihn die Skulpturalität in seinen Bauwerken immer bedeutender. Die 1951 gebaute Villa für den Provinzgouverneur lässt eine Auseinandesetzung mit Adolf Loos Gedanken vermuten.

Kapelle Ronchamp
  • weiß gestrichene Betonstruktur von dunklem Stahlbetondach überdeckt
  • Thema Gewölbe
  • Dach auf gelöcherte Wand aufgesetzt
  • Einzelheiten und Gesamtgestaltung sehr skulptural / insgesamt sehr plastische Wirkung
Heidi Weber Galeriepavillon, Zürich
  • Containerartig ausgeführter Bau
  • Auf Stahlträger gelagertes Stahlfaltdach
  • Faltsystem nur kurzes Experiment (er starb wenig später) 

"Le Corbusier und der Duce" / Deutschlandfunk

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/712729/

Dienstag, 29. März 2011

PDF 'Die Krise der CIAM Moderne nach 1945' / Uni Stuttgart

http://elib.uni-stuttgart.de/opus/volltexte/2007/2982/pdf/kap01_s23-46_o.pdf

Nachtrag: Architekturgeschichte 4.1


[Ludwig Mies van der Rohe]



BIOGRAPHISCHES
*1886 Aachen
+ 1969 Chicago
– „van der Rohe“ von Großmutter übernommen
Schrieb Nachruf auf Gropius und verstarb ein Jahr später selber *
* Gropius
*1887
+ 1968
Stark extrovertiert, auf Gespräche angewiesen
Inhomogenes Gesamtwerk, da stark durch Mitarbeiter geprägt, mal so mal so, häufige Stilwechsel


CHARAKTERLICHES UND PRÄGUNGEN
In Gestaltung sehr auf Regeln festgelegt
Eher unkommunikativer Mensch
Hang zu Alkohol & Tabak
Elitestreben (siehe Namens
Vater: Maurermeister & Steinmetz
> Materialnähe & Pragmatismus
Lehre als Maler von Stuckelementen
Ab 1905 in Berlin
Ab 1908 bei Peter Behrens: B=Mann des Übergangs zwischen Tradition und Moderne



ARBEIT
Haus Riehl: Durch Mauer klare Kante am Hang, Haus stützt sich auf Mauer; Erscheinungsbild zwischen Tradition (Grundriss, Appearance) und Moderne (Klare Struktur im Außen durch Mauer), ökonomischer Grundriss, kaum Flurfläche verschenkt

Haus2 (?), nach Behrnens Zeit, 1913: Solide, traditionellen Maßstäben folgend, stark an Behrens orientiert, einhüftiger Laubengang, Ringen zwischen Symmetrie und Asymmetrie: Typisches Gestaltungspotential / Konflikt der Zeit

Nach 1913, Ehepaar Kröller-Müller: MvdR und Behrens trennen sich. Laubengang, fast Flachdächer, frühes Beispiel einer abstrakten Architektur, nur als 1:1 Modell gebaut

1924: kahler, kühler, solide Architektur

Kontakt Arbeitskreis Kunst, Dadaisten etc, avantgardistisches Gedankengut, Zeitgeist euphorisch dem Modernismus entgegen, jedoch immer noch sehr traditionell

Zw 1922 u 24
5 Entwürfe:
Spreedreieck, Hochhaus[entwurf] Friedrichstraße, Berlin, Collage [von Dadaisten gelernt], Ganzglasfassade, homogen [von oben bis unten keine unterschiedlichen Zonen wie zB Sockel oder Schaft optisch ausgeprägt], spitzwinklig, expressiv
Glashochhaus, Ganzglasfassade, gekurvte Grundrisslinien, ohne Schaft oder Kapitel
Landhaus in Stahlbeton, zur Straße hin eingeschossig, zum Garten zweigeschossig. Möglichkeiten des Stahlbetons definiert, lange Lichtschlitze /Fensterausschnitte und Überspannungen
Bürogebäude in Stahlbeton, nur gestapelte Etagen, Fensterband, sturzfreie Fassade
Landhaus in Backstein, Lineare Raumorientierung > „fließender Raum“, Zonierung, erst zu Diensträumen hin verschachtelter, kubisch. WICHTIGE ANALOGIE: Malerei, „Russischer Taertnz“, El Lissitzky

Guben an der Neisse: Flachdach, weniger extrovertiert als Landhaus in Backstein, neuer Typus von Villa. Ziegel als Material für alles, Stahlbetondecken
Berlin, Afrikanische Allee, sozialer Wohnungsbau, konsequent kubisch, Flachdachproblematik zu diesem Zeitpunkt noch ungelöst > Dachraum als Pufferzone, die Speicher und Trockenboden beherbergt
Vorsitz des dt. Werkbundes
Weissenhofsiedlung Stuttgart, MvdR erhält städtebauliche Leitung, Karikatur „Araberdorf“
Haus Ester, Krefeld, Klinker, Stahlfenster anthrazitfarben, herausguckende weiß gestrichene Betondecken
1929 Weltausstellung, Auftrag dt Pavillon zu bauen

Mittwoch, 23. März 2011

Architekturgeschichte 4.3

Fortsetzung Le Corbusier

Ergänzungen / Wiederholung der letzten Vorlesung:

Orientalische Eindrücke aus Süd-Ost-Europareisen zu Anfang des 20sten Jahrhunderts führen zur Lösung des Jugendstilklischees, hin zum späteren Vokabular der Moderne.

Das Motiv des doppelgeschossigen Wohnraums mit Galerie wird zu einem seiner zentralen Motive.

Citrohan-Typus entsteht analog zur Automobilmarke Citroen und soll als Schlagwort die Möglichkeit des seriellen Charakters von Häusern verdeutlichen.

"Ville de 3 millions habitants" / Stadt für 3 Millionen Einwohner:
Für das pariser Flachland konzipiert, stellte dieser Entwurf für Jeanneret die Idealstadt dar. Das Gelände ist in ein orthogonales Straßensystem unterteilt , das von Diagonalen durchzogen wird, die sich im Zentrum treffen (Bezug auf klassische römische Stadtstrukturen). Die zum Kern aufsteigende Bebauung äußert sich drastisch durch die kreuzgerippten Hochhäuser im Zentrum der Stadt, wo sich auch ein unterirdischer Zentralbahnhof befindet. Auf Dachflächen sind Landezonen für Flugzeuge vorgesehen. Die Stadt für 3 Millionen Einwohner soll trotz einer anzunehmenden hohen Verkehrsdichte nichtsdestotrotz der Natur ihren Freiraum lassen: Straßen und Hochhäuser werden aufgeständert, um das Grün unter ihnen durchlaufen zu lassen. Grundlegend ist das Konzept der Funktionstrennung. die Devise lautet: Zentral arbeiten, Wohnen in der Peripherie. Persönlich hegte Jeanneret eine tiefe Abneigung gegen das bestehende Paris, das er gemeinhin als dreckig und abzuschaffen verstand.

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1923 Malerische Kollaboration mit Ozenfant
Kreation des Purismus als Kunststil.
Baut Haus für Ozenfant: L-Förmig von Brandwand umgebenes Gebäude, Scheddach, Oberlicht, weiße Putzfassade, Mischung aus Beton und Mauerwerk, Industrie-Stahlfenster Einfachverglasung, Skulpturale Elemente wie Treppe oder Vordächer treten hervor. Insgesamt verschachtelt, spielerisch.
https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEhluOoB4IxM1cTxpxaKjf7yb1ghXieFDz8r5Xv_pmAbfgiLVvEvyco6n_4bh03Ti7VMHPcezIgDIAaO8YT4-0K1wgGzFf7BruSDvvjcwOQq7FTRDC7YvOLjHVbPXS6ojhoe5WJVMB0I3Vs/s1600/Atelier+Ozenfant_LeCorb.jpg

1925 Gestapeltes Wohnen
Sein finanzielles Auskommern erwirtschaftet er sich zu dieser Zeit mit dem Bau von Einfamilienhäusern.
Inspiriert von seinem Pavillon auf der Art-Deco-Ausstellung, festigt sich die Idee von Wohneinheiten mit innenliegendes Loggias. In publizierten aber nicht gebauten Entwürfen stapelt er einzelne Module zu Mehrfamilienhäusern.

Der Gedanke Gebäude als freie Kompositionen mit bildhauerischen Qualitäten zu gestalten, festigt sich. Immer häufiger taucht das Spiel zwischen Symmetrie und Asymmetrie (=freie Komposition) auf. Ein Gegensatz zum Zeitgenossen wie Mies van der Rohe wird deutlich: Funktionen (vgl. Betonmöblierung) werden unveränderbar festgelegt und nicht wie bei LMvdR einer sich an Lebensumstände anpassbaren Flexibilität unterworfen.

1926 Villa la Roche
Heutzutage von der Fondation le Corbusier genutzt.
Das Prinzip der Régulateurs / Regulatoren als grafisches Kontrollinstrument für Proportionsverhältnisse taucht auf.
https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgU5Y7rfRDKADh1YHlHV7FeL7QnhBz9KD-_jEe_vE02QcJSZMyK6ICJGLpk5gRUWPfVMgAtfPYxs9uilHFMh5xchkZ9nnPZijVCHIKaJnKFeclGsgJfXXeeg0nMv1pOZDGO35X_W0f_VBA/s1600/3-RHF-24.gif

1927 Villa Stein, Garches
Rückwärtig platziert, mehrgeschossig. Beziehung zwischen Architektur und Automobildesign wird deutlich. Haupteingang durch Vordach erkennbar (nebenan Eingang für Einliegerwohnung). Lichtbänder weisen auf nicht-tragende Fassade hin.

http://www.thearchitectpainter.com/MadisonGray/deep_SIGHT/reviews/MoveMeaning1/GARCHES.htm

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Idee der Verknüpfung zw. Baukörper und Körperbau
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1926 Beitrag Weißenhofsiedlung Stuttgart
Grundstück in Süd-West-Ecke, 2 Gebäude nach Citrohan-Typ. Ein EFH sowie ein Doppelhaus.

Fünf Punkte zu einer neuen Architektur
„Die nachfolgend dargestellten theoretischen Betrachtungen gründen sich auf langjährige praktische Erfahrung auf dem Bauplatze. Theorie verlangt knappe Formulierung. Es handelt sich hier keineswegs um ästhetische Phantasien oder Trachten nach modischen Effekten, sondern um architektonische Tatsachen, welche ein absolut neues Bauen bedeuten, vom Wohnhaus bis zum Palasthaus. Die dargestellten fünf grundlegenden Punkte bedeuten eine fundamental neue Ästhetik. Es bleibt uns nichts mehr von der Architektur früherer Epochen, sowenig wie uns der literarisch-historische Unterricht an den Schulen noch etwas geben kann.“ Quelle: Le Corbusier, Pierre Jeanneret: Zwei Wohnhäuser von Le Corbusier und Pierre Jeanneret. S. 6–7 
  1. Stützen / Pilotis (frz. Pfahlwerk)
  2. Dachgarten
  3. Freie Grundrissgestaltung
  4. Langfenster / Lichtbänder
  5. Freie Fassadengestaltung
http://www.reocities.com/rr17bb/LeCorbusier5.html

1929/30 Villa Savoye
Die zuvor angesprochenen fünf Punkte zu einer neuen Architektur vereinen sich nebst dem Citrohan-Bau der Weißenhofsiedlung von '26 in der '29/30 errichteten Villa Savoye. Stützen demonstrieren Abhebung und inhärente Funktion. Fensterband, Dachgarten. Das abgerundete und von Glas umgebene, zurückgesetze Erdgeschoss hebt sich optisch deutlich vom Tragwerk ab. Es fasst neben einer Chauffeurswohnung und Diensträumen eine Garage für drei Autos. Die Erschließung der eigentlichen Wohnfunktionen im Obergeschoss verläuft über eine Rampe, sowie eine Treppe. Auffallend sind wieder skulptural wirkende Wendeltreppen und feste Möblierungselemente (z.B. Tisch um Stütze). Hierdurch wird das Thema der Raumskulptur deutlich, bei der Noblesse durch Kargheit erzeugt werden soll. Im Dachgeschoss verschmelzen Innen und Außen, lediglich durch Glas klimatisch voneinander getrennt. Statt einem abschließenden Langfenster, taucht hier ein breiter und offener Lichtschlitz auf. Tische und Blumenbeet tauchen in betonierter und somit per sé unveränderbarer Form auf (wieder Hinweis auf Raumskulptur). Das auf dem Außengelände platzierte Pförtnerhaus erscheint wie eine Miniaturversion der Villa.

Grundrissebenen:
http://content.answcdn.com/main/content/img/oxford/Oxford_Architecture/0198606788.corbusier-Le.2.jpg

Ende der 20er, Anfang der 30er nehmen seine Projekte eine größere Gestalt an. Bezüge zu Schiffsarchitektur nehmen zu:

Studentenwohnheim Pavillon Suisse
Kleine Appartments, Untergeschoss hat sekundäre Funktion, Wohnen findet im OG statt, Dachgarten trägt Funktionen der Freizeit.

1932/33 Cité de Refuges / Obdachlosenasyl der Heilsarmee
Eingangspavillon und Besprechungsraum von Hauptkörper entkoppelt. Dieser erscheint hinter diesen beiden Gebilden wie eine große Wand. In der Grundrissplanung werden Bezüge zur Schiffsarchitektur deutlich, es entstehen Decks- und Kabinenassoziationen.

1933 Immeuble a la porte molitor
Konzeption und Bau des eigenen Hauses. Vorne und hinten gleiche Fassade. Paradigmatisch für spätere Wohn- und Geschäftshäuser. 9 Etagen, die mit Ausnahmen jeweils von Außen deutlich sichtbare Eigenarten aufweisen. Glasbausteine als Brüstungselemente > Transparenz, Skulpturaler Grundriss.

Algier, Entwurf "Wohnschlange", Etagen u.A. als doppegeschossige Individualvillen konzipiert, möchte unterschiedliche Ausbaustufen ermöglichen.

Entwurf in Sao Paulo, sich begegnende im Kreuz aufeinandertreffende Wohnschlangen
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Der Mensch ist für Corbusier ein Naturwesen, das mit der Natur leben will. Architektur soll die Symbiose mit der Natur unterstützen.

Sonntag, 20. März 2011

Architekturgeschichte 4.2

Fortsetzung LUDWIG MIES VAN DER ROHE

Meister der Öffentlichkeitsarbeit. Durch zahlreiche Publikationen schafft er es, ohne große Vielzahl an gebauten Projekten, seinen Namen im Diskurs zu halten.
Seine primäre Zielgruppe sind finanziell Bessergestellte / Prominente.

1929 Barcelona Pavillon:
  • Abstrakt:
    Flächen und Linien gestalten Räume
  • Prinzip der Leitwand
  • Wasserfläche wird zum Raumbildenden Element
  • Unterschiedliche (Material)Qualitäten von Wänden
  • Bauteile sollen die ihnen inhärenten Funktionen zeigen
    > Stütze zeigt sie trägt
    > Wand zeigt sie trennt Raum
  • Kreuzförmige Stützen
  • Getöntes Glas
  • “Schwerelosigkeit”, kein definitives Oben und Unten, erst Mensch und Natur legen diese Richtungen fest.

Da seine architektonischen Vorstellungen nicht den stilistisch regressiven Idealen der Nationalsozialisten entsprechen, bleiben Wettbewerbsversuche in Deutschland weitesgehend erfolglos. Wie zuvor Gropius bekommt nun auch L.M van der Rohe ein Angebot aus den USA. Sein Formenrepertoire (und die Idee des Hofhauses) im Gepräck, nimmt er in Amerika eine Lehrtätigkeit auf und wird zu einem der prägendsten Einflüsse der europäischen Moderne in den USA. Jene Vorstellungen der gebauten Moderne werden hier immer weiter artikuliert und im Verlauf der Geschichte nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges in die Alte Welt exportiert.

Um 1940 übernimmt er die Planung des Illinois Institute of Technology. Der Ansatz ist radikal modern, in der Planung finden sich keine Rückbezüge in vergangene Epochen. Das zu beplanende Gelände unterteilt er in ein strenges quadratisches Raster, aus dessen Flächen er in orthogonaler Orientierung Gebäude entspringen lässt.

Minerals Institute / IIT
Raumabschließendes und tragendes System in einer Ebene. In den USA propagiert er den Wechsel von der Kreuzstütze zum T-Träger. Bauen wird kubisch. Will mit industriellen Bauteilen neue Wohnformen entwickeln. Neutralität der Gebäudehülle.

Crown Hall /IIT:
Axialsymmetrisch, vollständig verglast. Betonung Sockel durch Freitreppe/Vorebene. Leitwände, strenges Raster. Keine Trennung von Raumabschluss und Stützen > Stützenfreie Halle. Übergeführte T-Träger > Innen großer neutraler Raum.

Farnsworth House
  • Erhöhtes Erdgeschoss, jedoch Sockelfrei > Aufständrung, Natur wird nicht mit Gebäude unterbrochen, sondern fließt unter diesem hindurch.
  • Freitreppe, Zwischenterrasse
  • Bodenplatte – Dachplatte – Glashülle
  • Stützen stehen Außen
  • 3 Raumqualitäten: “ummantelt und bedeckt”, “bedeckt aber offen”, “offen”

Entwurf 50/50 Feet House
Haus reduziert sich auf vier Stützen. Nie gebaut.

Lakeshore Drive, '48/50
  • Raster
  • Zwei rechteckige Flächen zueinander in Bezug gestellt.
  • Rationale Unterteilung des Rasters in ...*Dechiffrierungsproblem - Ergänzung erwünscht!*
  • Vollverglasung
  • Rationale Formensprache
  • Purismus wird Chic

Seagram Building
Der Konzern möchte minimalistische Ästhetik als Außenwirkung prägenden Faktor nutzen.
Minimalismus ist zu einem Ideal geworden (vgl. Lakeshore Drive).
Abwechslung in streng gerasterter Fassade entsteht durch die individuelle Nutzung des Sonnenschutzes. Die Erscheinung dominiert in Klarheit und Eleganz.

Entwurf f. Fa. Bacardi, Santiago / Cuba
Stahl-Rasterplatte. Raum entwickelt sich zwischen zwei Scheiben und breitet sich zwischen diesen aus (>beschreibt Idealzustand für van der Rohe). Das Projekt ist politisch umstritten, da USA und Cuba in Konflikt stehen. Auf Intervention der Amerikaner wird der Bau nicht in Castros Regime exportiert, sondern in Berlin in Form der Nationalgalerie verwirklicht.

1968 stirbt Ludwig Mies van der Rohe.



LE CORBUSIER / EDUARD JEANNERET

Charles Eduard Jeanneret, le corbeaux “der Rabe” [Selbstironie: Brille, Nase]

*Schweiz, 1887
+Frankreich, 1965 (Badeunfall, Leiche nie gefunden)

Verwendung d. Pseudonyms:
ab 1920 als Autor
ab 1922 als Architekt
ab 1928 als Maler

Selbststilisierung, besonders ausgeprägte Egomanie, spielt zeitlebens Rolle > Vermarktung. Schafft es immer, andere für sich arbeiten zu lassen.

Erstes Gebäude 1907
Jugendstil, Krüppelwalmdach, Alpin, Bögen, Naturstein > beginnt also mit traditionellem Vokabular.

Zwischen 1908/09 Südost-Europareise 1, 09/10 Südost-Europareise 2.
Starker Einfluss der Architekturen aus Griechenland und der Türkei. Vokabular wird durch Motive aus klassischer und orientalischer Architektur ergänzt.

Entwurfsmodus von Malerei geprägt. Unterwirft Entscheidungen nicht der bloßen funktionalistischen Rationalität wie van der Rohe, sondern gesteht Intuition determinierende Relevanz zu.

Villa 1916, Fassade
Diagonalen als Kontrollinstrument > “Regulateures” / Regulatoren. Ein Versuch, grafisch Proportionsregeln abzuleiten.

Prinzip Domino-Haus
  • Addition von Bausteinen
  • Einheitliche Fassade
  • Stützen erzeugen Abstände zwischen Platten
  • Treppen
  • Fassade als Membran der Grundstruktur > Funktionstrennung v. Tragwerk u. Hülle

Maison Dom-Ino, 1915
Ähnlichkeiten zu Frank Lloyd Wright, Betonung Horizontalität, Gesimse

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Einbeziehung der Natur (vgl. Architektur als Rahmen für Natur und Kunst).
Stützensysteme aus Türkei und Griechenland
Doppelgeschosshohe Wohnräume (“Salon de Villa) > sich wiederholende Konstruktion bei l.C.
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Gründet Zeitschrift “L'Esprit Nouveau” (“Der neue Geist”)

Buch: “Drei Mahnungen an die Herren Architekten”
1_ Der Baukörper: Soll einfach sein, Klarheit, geometrische Einfachheit
2_ Aussenhaut
3_ Grundriss: Plädoyer für freien Grundriss

1920 “Citrohan” Haus
EFH, doppelgeschossiger Wohnraum mit rückwärtiger Galerie, Reihenhaus tauglich > serielle Erscheinung (Citrohan wohl wg Citroen) > Haus soll also seriellen Charakter des Automobils aufnehmen. Gerade hier wird auch wieder die Tendenz zum Marketing deutlich, er kreiert Schlagworte, um sich im Gedächtnis zu verankern.

1925 Exposition des arts decoratifs > “Art Deco”
Mietet sich Gelände auf Messeareal um Pavillon zu bauen. Doppelgeschossiger Wohnraum mit Loggia (und rückwärtig gelegener Treppe auf Galerie). Dieser Pavillon steht quasi Modell für spätere Wohnbauentwicklungen > Addition > gestapelte EFH > MFH

Zukunftsstadt für 3 Millionen Einwohner
Straßenraster, Zentralbahnhof in der Mitte, Zentrum von kreuzförmigen Wohnhäusern umgeben, Straßen durchziehen Parks.